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Zuchtzielsetzung

"Der Verein für deutsche Schäferhunde ist auf dem besten Wege, zwei getrennte Populationen seiner Hunde aufzubauen."

Dieses Zitat von 1953, also kurz nach dem zweiten Weltkrieg und Wiederaufnahme der planmäßigen Zucht des DSH, stammt von keinem Geringeren als Konrad Lorenz. Der spätere Nobelpreisträger wies seinerzeit den Vorstand des SV darauf hin, dass die Strategie des Verbandes, durch einerseits eine zu enge Linienzucht und andererseits mangelnde Einheitlichkeit der Zuchtinteressen, zu einer sich verbreiternden Schere in der Rasse führen. Aus heutiger Sicht mag man dies für überholt, da längst realisiert, halten. Doch dieses sehr frühzeitige Erkennen ist bemerkenswert!

Wir sehen uns heute mit zwei getrennten Populationen von Schäferhunden konfrontiert. Die "Schaulinien" und die "Leistungslinien", beide geprägt von sehr enger blutlicher Verwandtschaft bei doch gleichen Vorfahrenstämmen.

Erstere gebildet unter Fokussierung auf anatomische Merkmale und Fellfarbe, zweitere mit dem Ziel, im Schutzhundsport erfolgreich zu sein. Beides ist aus unserer Sicht falsch! Beides hat auch bereits von Stephanitz für falsch erklärt. Es ist schade, dies heute, im Jahr 2007, über 100 Jahre nach Gründung des Vereins, überhaupt noch erwähnen zu müssen. Dennoch scheinen diese beiden Lager sich zunehmend unversöhnlich gegenüber zu stehen, wo sie doch eigentlich beide den Deutschen Schäferhund vertreten!

Beide Zielsetzungen sind aufgrund einseitiger, zu enger Zuchselektions-Kriterien Sackgassen: Erstere unter Betonung rein optischer Merkmale und Vernachlässigung von Wesen und Gesundheit. Zweitere durch Fokussierung auf "Qualität", die von ungeeigneten Methoden, den modernen Schutzdienst-Wettkämpfen und der modernen Richtweise dort, überprüft und selektiert wird.

Wenngleich zunächst die Strategie der Leistungsüberprüfung dem vernunftbegabten Betrachter förderlicher Erscheinen mag, so hat sie in den letzten 20-30 Jahren doch ebenfalls recht einseitige, nicht immer positive Früchte erbracht. Zeitweise gewannen Hunde mit überschäumendem Temperament in Meisterschaften nur weil sie wie von der Tarantel gestochen in die Helfer geflogen kamen. Der moderne "Beutehund", angekratzt, teils übertriebig, schnell, gefällig in der Unterordnung, wurde zum Maß aller Dinge erklärt. Die Nervenstärke der Hunde wurde hierdurch jedoch zu wenig berücksichtigt. Und -in diesem Punkt muss man Vertretern des "Schaulagers" Recht geben- die Hunde wurden auch nicht schöner.

Kriterien wie Alltags- und Diensthundtauglichkeit, gesunde Belastbarkeit und Aggresionsveranlagung gerieten unter die Räder der Zucht. Der rückläufige Anteil des DSH bei den Diensthund führenden Behörden verdeutlicht dies ebenso, wie die Beispiele anderer ehemaliger Gebrauchsundrassen a'la Riesenschnautzer oder Hovawart, die, wie der DSH, bei FCI Meisterschaften quasi nicht mehr auftreten.

Die Auswahl der zur Zucht geeigneten Hunde darf, unserer Ansicht nach, daher weder durch rein optische Merkmale, noch durch rein sportliche Erfolge, Punkte in Meisterschaften, getroffen werden. Wir legen den größten und vorrangigsten Wert auf ein gesundes, belastbares Wesen und makellose Gesundheit. Wenn es uns gelingt, diese Merkmale mit ansprechender Anatomie zu kombinieren, wären wir glücklich.

Sicher keine leichte Zielsetzung, aber wer die Messlatte von Anfang an zu niedrig legt, der wird auch keine höheren Ziele erreichen!